
Sechs Bücher, die Frauen bestärken
Kluge und lesbare Romane, die Frauen darin bestärken, sich zu emanzipieren, sich Raum für ihre eigenen Bedürfnisse zu nehmen, auszuloten, wer sie sein wollen? Gibts nicht? Gibts doch, und das ganz ohne unnötigen Zuckerguss und Schnulzigkeit.
Kennst du Bücher mit den folgenden Inhalten wurde ich gefragt: Frau sein, Mutter sein, seinen Platz beanspruchen und es sich selbst auch wert zu sein, diesen Platz einzunehmen? Diese Frage erwischte mich kalt, interessiere ich mich doch normalerweise genau für diese Themen. Sofort wollte ich loslegen und mit Buchtiteln um mich werfen, doch mehr als „Das andere Geschlecht“ von Simone de Beauvoir fiel mir auf Anhieb nicht ein.
Denn meine Freundin sucht weniger eine sachliche und politische Abhandlung über Machtverhältnisse und die mögliche Rolle der Frau in der Gesellschaft, auch keine Biografien weiblicher Leuchttürme, sondern vielmehr Beispiele im Kleinen. Geschichten von Frauen, die es schaffen auch im normalen Alltag ihre Rolle zu finden, ihr Leben zu leben und dabei nicht unterzugehen. Als ich meine Regalmeter dahingehend absuchte, fand ich bestürzend wenig. Klar, „Stolz und Vorurteil“ und „Jane Eyre“ beschäftigen sich mit diesem Thema. Natürlich füllen sogenannte „Frauenromane“ also Chick-Lit, Nackenbeisser und Schmonzetten ganze Regalreihen, die kommen aber nicht in Frage. Gesucht wird gute Literatur, lesbar, aber mit Anspruch. Da muss doch auch was über die Frau von Heute zu finden sein. Eine Auseinandersetzung mit der Gegenwart.
Viele Liebesgeschichten enden ja mit dem Zusammenfinden des Paares- Ihr langfristiges Zusammenleben, Flauten, die Trennung bleiben häufig im Dunkeln. Außerdem suchte ich den weiblichen Blick und ließ daher die Geschichten männlicher Autoren außer acht (wobei es da eh eher um männliche Figuren geht, die man natürlich exemplarisch nehmen kann und auf die Frauen münzen, aber es passt eben nicht ganz). Und doch habe ich einige kluge und lesbare Bücher gefunden, die meiner Ansicht nach Frauen darin bestärken, sich zu emanzipieren, sich Raum für ihre eigenen Bedürfnisse zu nehmen, auszuloten, wer sie sein wollen.
Irmtraud Morgner – Amanda ein Hexenroman
Laura Amanda Salman ist gespalten. Als Laura lebt sie als Triebwagenführerin und Mutter in Ost-Berlin das Ideal des Sozialismus. Als starke Frau versucht sie, Mutterschaft und Arbeit unter einen Hut zu bekommen. Von ihr getrennt existiert jedoch „Amanda“ ihr hexisches und fantastisches Ich. Was geschieht, wenn die beiden anfangen, zu kommunizieren? Ein furioser Roman einer sozialistischen Feministin mit starkem Hang zur Phantastik, deren komplettes Werk zu empfehlen ist.
Elena Ferrante – die neapolitanische Saga
Elena und Lila sind bei überdurchschnittlich begabt, lebenshungrig und wachsen im denkbar schwierigen Umfeld auf: sie stammen aus einem Armenviertel in Neapel, voller Kleinkrimineller, Mafiosi und verkrusteteter Gesellschafts- und Moralvorstellungen. Doch beide gehen ihre Weg, machen Karriere, werden Mütter, schreiben Bücher, lieben, leiden – und über allem steht eine wunderbare und doch komplizierte Freundschaft zwischen zwei Frauen, erzählt in vier Büchern. Die Reihe startet mit dem Band „Meine geniale Freundin“.
Daniela Krien – die Liebe im Ernstfall
Eigentlich wollen sie ja alles haben, die Frauen in Daniela Kriens „Die Liebe im Ernstfall“: die große Liebe, Selbstverwirklichung, guten Sex, Sicherheit, Kinder. Die fünf handelnden Frauen sind mit dem Wissen, dass sie das alles haben können in den letzten Jahren der DDR aufgewachsen. Nun suchen sie ihr Glück. Ein kluges Buch darüber, dass wenn die Liebe endet, die Menschen aber dennoch weiterleben. Denn die moderne Frau ist ihres eigenen Glückes Schmied.
Nino Haratischwili – Das achte Leben
Der Roman begleitet sechs Generationen von Frauen aus einer georgischen Familie vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart und erzählt gleich nebenher die Geschichte Georgiens aus Frauenperspektive. Die Vertreterinnen jeder Generation sind geprägt durch ihre Zeit und versuchen, sich in ihr so viel Raum zu schaffen wie möglich. Loten verschiedene Möglichkeiten aus, lernen von ihren Vorgängerinnen.
Han Kan – Die Vegetarierin
Eine Frau verwandelt sich langsam in eine Pflanze und entdeckt dabei ihre eigene Sinnlichkeit. Mit ihrer Metamorphose stößt sie ihr Umfeld, ihren Mann, ihre Familie ordentlich vor den Kopf – aber was wiegt am Ende mehr? Das persönliche Glück oder die Bedürfnisse der Mitmenschen? Ein spannender und fantastischer Beitrag zum Thema Emanzipation und Selbstfindung.
Sarah Moss – Schlaflos
Eine junge Mutter, die auf einer kargen schottischen Insel lebt, geht fast zugrunde am Spagat, ihre kleinen Kinder zu betreuen, zu ernähren, zu säubern und schlafen zu legen – während die Historikerin eigentlich eine wissenschaftliche Arbeit schreiben will. Sarah Moss schreibt eindrucksvoll über das Dilemma, Wissenschaftlerin, Mutter und gleichzeitig auch noch Ehefrau sein zu wollen – und die daraus resultierende permanente Übermüdung und Überforderung, ihren Sinn für Komik lässt die Autorin dabei nicht aus den Augen.